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Land unter: Überschwemmungen in Italien

Abgelegt unter Urlaub & Reisen by Redaktion am 22. Februar 2013

Laguna di VeneziaDie Italiener sind vom Wasser abhängig. Jedes Jahr während der dreimonatigen Sommerferien pilgern viele Italiener und ausländische Touristen ans Meer, um dort eine entspannte Zeit zu verbringen. Doch das Wasser wird immer häufiger zum Feind: Venedig versinkt langsam aber sicher in den Fluten, in Genua und der Toskana kam es in den vergangenen Jahren zu erschreckenden Überschwemmungen. Rächt sich die Natur?

Regelmäßige Überschwemmungen in Venedig

Die „Perle der Adria“, wie Venedig lange Zeit genannt wurde, leidet immer häufiger unter dem Hochwasser, das besonders häufig in der kalten Jahreszeit auftritt. In diesem Jahr musste sogar der berühmte Karneval im überfluteten Venedig stattfinden. Da die Stadt nur ungefähr einen Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist die Grenze schnell überschritten, an der das Wasser dafür sorgt, dass die Anwohner und Touristen nur in Gummistiefeln durch die engen Gassen der Stadt laufen können.

Im Winter und Herbst weht der Scirocco aus südlicher Richtung und presst damit das Wasser des Mittelmeeres in die Lagunen und Kanäle der Stadt. Da es nicht entweichen kann, steigt der Wasserspiegel an, solange der Wind aus dieser Richtung weht. Gleichzeitig kommt es aber durch die Klimaerwärmung dazu, dass der Meeresspiegel ebenfalls langsam ansteigt. Ein dritter Punkt ist, dass Venedig langsam von selbst im Meer versinkt. In den vergangenen 100 Jahren sank die Stadt um ungefähr 25 Zentimeter. Dies scheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein, bei einer geographischen Höhe von nur einem Meter ist dieser Verlust allerdings enorm – eine Ende ist zudem nicht abzusehen. Entstanden ist dieses Problem, weil die Industrie in der Vergangenheit einerseits große Mengen Grundwasser abgepumpt hat, andererseits den Hafen ausgebaut hat, wodurch eine starke Strömung entstanden und schützende Meeresvegetation verschwunden ist.

Hilfe durch Mose?

Damit Venedig eines Tages nicht komplett in den Fluten versinkt, ist man aktiv geworden und hat das MOSE-Projekt ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um ein Sperrwerk, das bei drohendem Hochwasser bis zu 78 bewegliche Fluttore hochstellt, die das Meer fernhalten sollen. Fließt das Wasser wieder Richtung Meer ab, werden die Tore wieder heruntergeklappt. 2003 wurde der Spatenstich vorgenommen; das Ende der Bauarbeiten wurde immer wieder nach hinten verschoben, aktuell ist das Jahr 2016 anvisiert.

Allerdings üben Umweltschützer an MOSE Kritik. Bei einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels schätzen Experten, dass die Fluttore im Jahr bis zu 300 mal geöffnet werden müssen. Venedig ist allerdings durch seine Lage in der Lagune vom offenen Meer abgegrenzt und könnte dann seine Abwässer nicht mehr ausreichend entsorgen. Befürworter hingegen bekräftigen, dass die Tore nur kurzzeitig geöffnet würden und der Wasseraustausch danach wieder stattfinden könne, so dass keine Schäden entstehen.

Erdrutsche auch in anderen Regionen

Doch nicht nur Venedig leidet im Winter. Ende 2011 kam es aufgrund von starken und andauernden Regenschauern in Norditalien zu übertretenden Flüssen mit Überschwemmungen und Erdrutschen. Nicht nur ländliche Gegenden litten unter dem Wetter, auch die ligurische Hafenstadt Genua trauerte, als hier sechs Menschen aufgrund des Unwetters starben. Die Unwetter waren so heftig, dass die Hauptstadt Rom den Notstand für diese Bereiche ausrief.

Ende 2012 kam es zu ähnlichen Bildern, als in Rom der Tiber seinen Höchststand vermerkte und die reißenden Fluten von den Menschen aus sicherer Entfernung beobachtet wurden. Während Rom im Süden noch verschont wurde, wurden in der Toskana und Ligurien hunderte Menschen evakuiert, in Livorno und Pisa kam es zu starken Überschwemmungen.

Ähnlich wie in Venedig, wo ein Teil der Schuld auf den Ausbau des Hafens und die Industrialisierung zurückgeführt wird, weisen Experten generell darauf hin, dass der Anteil der bebauten Flächen in Italien und insbesondere in Rom immer weiter ansteigt und die natürliche Flora somit keinen Schutz mehr vor dem Wasser bieten kann. Der Verlauf der Flüsse werde häufig begradigt, damit diese als Handelswege besser genutzt werden können. Allerdings steigt dadurch die Strömung an – besonders wenn im Herbst starke Regenschauer an der Tagesordnung sind.

Es verwundert dann kaum, dass es immer häufiger zu Erdrutschen und Überschwemmungen kommt. Alleine im Zeitraum zwischen 2005 und 2011 starben deswegen mehr als 200 Menschen.

 



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